„Ein Pinselstrich kann alles verändern“…

„Ein Pinselstrich kann alles verändern“…

Das sei das Geniale an der Malerei, sagt Saša Makarová. 

Doch was ist es, das einen guten Künstler von einem großartigen, manchmal eben gar genialem  Künstler unterscheidet? Zumal in der figurativen Malerei? Unverwechselbar muss er sein, natürlich, eine eigene Handschrift haben. Die meisten von ihnen sind auch mutig, lassen sie sich doch selten von Moden und Tendenzen beirren oder in ihrer Motivwahl beeinflussen. Wenn dann aber auch noch die malerische Geste kongenial zum Bildgeschehen ist, so ist eine eigene Welt geschaffen, der Pinselstrich qua Gestus die Übersetzung der Gedanken, der Geschichte, die erzählt werden soll.

Saša Makarová ist so eine Künstlerin. Ihre kraftvoll und pastös aufgetragenen, in leuchtenden und intensiven Farben gemalten Frauen spiegeln die malerische Geste wider, ja mehr; sie bedingen einander: Starke, wunderschöne, unabhängige Frauen, oft auch provozierend und geheimnisvoll. Sie brauchen diese vielschichtigen, glänzenden Ölfarben, die ihre Schöpferin so liebt, könnten nicht in zarten, leichten Aquarellfarben auf Büttenpapier existieren. Und sie, die Künstlerin, braucht ihre Geschichten, ihre Farben, sagt sie doch, dass sie, solange sie denken kann, nie etwas anderes wollte, als Malerin zu werden.

Dies sei ihr, der Tochter eines Künstlers, schon im Alter von zwei Jahren bewusst geworden.    Geboren 1966 studierte sie dann doch zuerst Restaurierung in Bratislava, ihrer Geburtsstadt, wurde aber bald nach der Wende von Adolf Frohner entdeckt, der sie in seine Meisterklasse an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien einlud, wo sie sich sehr schnell der damals so zelebrierten und beinah exklusiv gelehrten Abstrakten Malerei entzog und sich eindeutig der Figur zuwandte – „…Obwohl man damals nicht einmal mehr das Aktzeichnen lehrte.“. Klassische Malerei würde auch heute nicht mehr gelehrt, sie fühle sich wie ein Dinosaurier. 

Künstlerisch geprägt und beeinflusst ist Saša Makarová in ihren frühen Werken auch durch ihre Begeisterung für die Fauvisten wie Matisse und Vlaminck; heute ist die noch immer in Wien lebende Künstlerin eine der brillantesten Vertreterinnen des postmodernen Expressionismus.  

Auch dass sie frei malt, meistens ohne konkrete Vorlage, hebt sie hervor und beweist ihre Bravour. Der besagte Pinselstrich, der alles verändert, ist mal der einer anderen Farbnuance, der die Stimmung des ganzen Bildes verändert, mal wird durch ihn ein scheinbar unwichtiges Detail, wie ein nun heruntergerutschter Strumpf, zum Botschafter der Dame auf der Bank, die uns in den Bann zieht. Ihre Motive findet Saša Makarová in sich selbst, ihrer eigenen Phantasie, beeinflusst auch von Märchen, Sagen, Mythen und deren Symbolik: „Ich lasse mich entführen in eine imaginäre Welt, die nur mir gehört. Ein Wunder ist passiert – fliegen – mich verwandeln, in das, worauf ich Lust habe, in eine weiße Taube, in einen schwarzen Raben, überall dabei zu sein, überwältigt von der Melancholie, der Liebe, – es ist einfach mein großes Ereignis. Die Farben werden immer lebendiger, die Flecken verwandeln sich in eine unendliche Farben- und Formenvielfalt.“

Von jeher sind es die Frauen, die sie malen möchte. Schön, stark und unverwechselbar. Eine Augenweide. Selbstbewusste Frauen, die sich ihrer Macht, Persönlichkeit und ihrer erotischen Ausstrahlung mehr als bewusst sind. Überhaupt ist es die Erotik, die sich wie ein roter Faden durch ihre Bilder zieht. Provozierend, verführerisch und sinnlich, nie vulgär oder gar plump – im Gegenteil: Elegant sind sie, modern und doch zeitlos schön; in opulenten Gewändern anderer Epochen und Kulturen, strengen Kleidern, provokanten Posen. Gebettet in ein Blumenmeer, sitzend in ihrem Boudoir, an einer Bar. Allein oder in Gesellschaft, verträumt oder geheimnisvoll, dem Betrachter unbeeindruckt in die Augen sehend oder durch ihn hindurch, bestimmen immer sie das Geschehen und wieviel sie von sich preisgeben.

Sie sei keine politische Malerin, obschon sie das Schicksal und das Leiden der Frauen dieser Welt stets umtreibt, wie zum Beispiel das der Frauen in Indien, oft missbraucht und ohne Rechte, möchte sie dies nicht zu ihrem Schlüsselthema machen, sie habe sich entschlossen, sich mit den schönen Dingen zu beschäftigen. Vielleicht ist es aber gerade auch dieser so weibliche Blick auf die Schönheit, den Mut, die Selbstbestimmtheit, Stärke und Einzigartigkeit der Frauen, der Saša Makarovà zur Botschafterin gerade auch dieser Frauen macht.

Drei unfassbar schöne junge Frauen in farbenfroh gemusterten Gewändern, reizvoll auf einem bunt geblümten Sofa liegend, schauen uns direkt und auch einen Hauch gelangweilt in die Augen und fragen: „Dürfen wir wiederkommen?“ Unbedingt!

Melanie Battaglia